Der feuchte Keller

Feuchte Keller sind eines der häufigsten Probleme, mit denen Hausbesitzer zu kämpfen haben.  Verfärbungen, Schimmelpilzbefall, Hausschwamm, schimmelnde Papiere, Möbel und Lederkleidung, rostende Werkzeuge und muffige Gerüche, abbröckelnder Putz und in besonders schlimmen Fällen, große Wasserpfützen nach einem  Regen, sind die häufigsten Ärgernisse.

Die Ursachen für feuchte Keller sind vielfältig.

Ich muss bei den weiteren Ausführungen zwischen Neubaukellern und Altbaukellern  unterscheiden. Als Neubauten bezeichne ich dabei alle Gebäude, die nicht älter als 20 Jahre sind.

Neubaukeller

Die wichtigste Schadenursache sind schadhafte oder fehlerhaft hergestellte Abdichtungen der Kelleraußenwände und der Kellersohle. Weitere häufige Ursachen sind nicht funktionierende Abdichtungen an Durchdringungen (z.B. an Rohren für Abwasser, Wasser, Gas und an Elektro- und Telekommunikationsleitungen). Auch über Kellerlichtschächte dringt in manchen Fällen Wasser ein.

Gelegentlich sind auch undichte Installationen von Heizungs- oder Wasserleitungen im Gebäude selbst die Ursache für Feuchtigkeit. Manchmal gibt es auch Probleme durch so genanntes Tauwasser an kalten Bauteilen.

Die häufigste Schadenursache ist nach meinen Erfahrungen ein nicht ausreichender Anschluss der vertikalen Abdichtung im Bereich der Fundamente bzw. Sohlplatte. Hier führen besonders oft zu enge Arbeitsräume oder Verschmutzungen der Bauteile zu Schäden. Gelegentlich sind Abdichtungen auch nicht fest genug, um dem Erddruck stand zu halten. Bei leichten Fertigteilhäusern kommt es manchmal auch zur Verformung von Kellerwänden durch den Erddruck, in deren Folge die Abdichtung reißt.

Häufig werden Abdichtungen unter Treppen und an Fenstern unzureichend oder gar nicht ausgeführt.

Schadensfälle gibt es an allen Abdichtungssystemen. Kunststoffmodifizierte Bitumen-dickbeschichtungen und Abdichtungen mit selbst klebenden Abdichtungsbahnen erscheinen mir nach meinen Erfahrungen als etwas schadenanfälliger als andere Systeme. Bei allen Systemen ist aber die fachkundige und sorgfältige Verarbeitung oberstes  Gebot. Kommt es bei der Verarbeitung zu Fehlern, wird dies von keinem der auf dem Markt befindlichen Systeme toleriert und der feuchte Keller ist das Resultat. Deshalb lehne ich keines der Abdichtungssysteme prinzipiell ab.

Einen Sonderfall stellen die so genannten Weißen Wannen - Konstruktionen aus wasserundurchlässigem Beton - dar. Hier gibt es keine Abdichtung, die Konstruktion selbst ist für flüssiges Wasser weitgehend undurchlässig. Geringe Mengen an Wasserdampf dringen hier in der Regel trotzdem nach innen. Durch Risse im Beton oder an Arbeitsfugen und in Bereichen in denen der Beton ungenügend verdichtet wurde, kann Wasser eindringen.

Bei Kellern aus Fertigteilen oder Halbfertigteilen (Hohlwänden), die als Weiße Wannen verkauft werden, ist höchste Vorsicht geboten. Solche Keller sind nach meinen Erfahrungen stark gefährdet und kommen ohne eine zusätzliche Abdichtung nicht aus.

Drainagen sollen Wasser von gefährdeten Bauteilen abführen. Bei einer funktionierenden fachgerechten Kellerabdichtung für den entsprechenden Belastungsfall sind diese nach meiner Auffassung entbehrlich. Nicht selten haben Drainagen eine falsche Höhenlage oder  Wasser kann bei Starkregen über die Wasserableitung in die Drainage eindringen und macht so aus der Entwässerung eine Bewässerung.

Altbaukeller

Problematische Altbaukeller haben entweder eine Abdichtung, deren Gebrauchsdauer überschritten ist, oder gar keine Abdichtung. Die Abdichtung eines Kellers wurde früher häufig auch nicht als notwendig erachtet. Möbel, Papiere oder Leder oder andere hochwertige Produkte wurden, wenn man sie überhaupt hatte, nicht in den Keller gebracht. Im Keller wurden Kohlen, Einweckgläser und Kartoffeln gelagert. Kartoffeln sind bei hoher Feuchtigkeit länger haltbar und Kohlen schadet etwas Feuchtigkeit nicht. Zum anderen gab es die heutigen Materialen für Abdichtungen noch nicht.

In den allermeisten Fällen entstehen durch Feuchtigkeit im Mauerwerk des Kellers keine schwerwiegenden Schäden am Gebäude selbst. Es besteht aber die Gefahr, dass die Feuchtigkeit das Erdgeschoss und damit die Wohnungen erreicht.

Ursache dafür sind fast immer Prozesse, bei denen wasserlösliche Salze (z.B. Chloride, Nitrate, Sulfate) eine Rolle spielen. Umgangssprachlich und meist nicht ganz richtig wird auch der Begriff  Salpeter verwendet.

Die so genannte aufsteigende Feuchtigkeit als durch Kapillarkräfte verursachtes Aufsteigen des Wassers ist nämlich sehr begrenzt. Hier ist in der Regel nach ein bis drei Steinreihen die maximale Steighöhe erreicht.  Kommen aber Salze hinzu, deren Bestandteile aus dem Boden und aus den Baustoffen selbst stammen können, steigt die Feuchtigkeit sehr viel weiter auf.  Bei  historischen Bauten können Feuchtezonen mehrere Meter Höhe  erreichen.

Die Salze gehen bei hoher Feuchtigkeit in Lösung und breiten sich zu Bereichen mit niedriger Salzkonzentration hin aus. Wird es trockener verdunstet das Wasser und die Salze bleiben zurück und konzentrieren sich in der Verdunstungszone. Wird es wieder feuchter gehen sie wieder in Lösung usw. usw. Dadurch steigt der Feuchtehorizont langsam an.

Wenn die Salze bei Trocknung auskristallisieren, vergrößert sich ihr Volumen. Sichtbares Zeichen dafür sind abplatzende Farben und Putze oder absandende Fugen. Nicht selten sind auch weiße oder hellgraue Ausblühungen erkennbar.

Leider lassen sich diese wasserlöslichen Salze nur schwer aus dem Mauerwerk entfernen.

Deshalb ist bei der Sanierung von feuchten Kellern eine genaue Abwägung der erforderlichen Maßnahmen notwendig. Wenn wirklich ein trockener Keller notwendig ist, z.B. weil ein Archiv oder andere empfindliche Stoffe eingelagert werden müssen, ist der Aufwand meist sehr hoch. Durch eine einfache Abdichtung von außen lassen sich trockene Wände im Keller eines Altbaus häufig nicht erreichen, da die vorhandenen Salze auch hygroskopisch sein können. Das bedeutet, die Salze lagern in ihrem Kristallgitter Wasser aus der normalen Luftfeuchtigkeit an. Ein mit diesen Salzen belastetes  Mauerwerk trocknet auch mit einer Abdichtung nicht aus.

Trotzdem gibt es viele Verfahren, mit denen eine Besserung erreicht oder mindestens das Fortschreiten des Schadensprozesses verhindert werden kann.

Eine sorgfältige Untersuchung des konkreten Schadenfalls ist vor einer Sanierung unumgänglich. Dabei sollte man darauf achten, dass der Berater bei der Ausführung der Sanierung möglichst keine wirtschaftlichen Interessen hat. Fast jedes Unternehmen wird natürlich seine Produkte als optimal anpreisen.

Geräte mit oder ohne Stromanschluss die einfach in den Keller gestellt werden, und bei denen der Verkäufer von magnetischen oder elektrischen oder anderen Feldern oder von Osmose oder ähnlichem spricht, sind in Fachkreisen so genannte Wunderkisten. Und so wie es Wunder nur extrem selten gibt, wirken diese Wunderkisten auch extrem selten oder gar nicht.

Für die unabhängige Untersuchung von feuchten Kellern und das Erarbeiten von Sanierungslösungen verfüge ich über die notwendigen Messgeräte und Erfahrungen.

Typische Feuchteschäden in Kellern mit Materialabhebungen, Ausblühungen  und Verfärbungen
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